Peregrina erhält den Demokratiepreis der Margaretha Lupac Stiftung

Die Margaretha Lupac Stiftung für Parlamentarismus und Demokratie hat den Verein Peregrina mit der Verleihung des Demokratiepreises 2018 gewürdigt. Wir freuen uns außerordentlich über diese Auszeichnung und die damit verbundene Wertschätzung unserer Arbeit!

Die bewegte und bewegende Dankesrede hielt unsere Kollegin Gülgün Stoiber (Foto mitte):

lupac

Sehr geehrter Herr Nationalratspräsident,
sehr geehrte Mitglieder der Jury,
sehr geehrte Damen und Herren,
Vorerst möchte ich mich bei Frau Professorin Rosenberger für die anerkennenden Worte über Peregrina herzlich bedanken.
Wir freuen uns selbstverständlich über jede Anerkennung sehr. Wir hatten auch das Glück, für unsere langjährige Arbeit mit und für Migrantinnen mehrfach ausgezeichnet zu werden. Doch dieser Preis, der Demokratiepreis der Margaretha-Lupac-Stiftung für hervorragende Verdienste für die Demokratie, ist etwas ganz Besonderes. Dieser Preis bestätigt uns in unserem Leitbild und Selbstverständnis, dass unsere Arbeit für und mit Migrantinnen zur Stärkung der Demokratie beiträgt. Wir fühlen uns außerordentlich geehrt.
Minderheiten – im Sinne jener mit weniger Macht und Ressourcen, jener ohne Lobby – gehören zu einer Demokratie genauso wie Mehrheiten. Und der Umgang mit Minderheiten ist der Gradmesser einer Demokratie. Demokratien schützen ihre verschiedenen Minderheiten vor Diskriminierung, also von Benachteiligung, Schlechterbehandlung und Ausgrenzung.
Wir werden heute mit dem Demokratiepreis des Parlaments geehrt. Meine Kolleginnen und ich sind alle sehr froh, heute hier zu sein. Nichtdestotrotz möchte ich Ihnen folgendes erzählen: Während der namentlichen Anmeldung unserer Mitarbeiterinnen für die Teilnahme an der Preisverleihung stellte eine Kollegin die Frage in den Raum, ob sie mit ihrer Teilnahme nicht dem Verein schaden würde – weil sie ein Kopftuch trägt. Das hat uns sehr zum Denken gegeben.
Die aktuellen Debatten, in deren Mittelpunkt die Migrantinnen und Migranten stehen, verunsichern und machen Angst. In diesen Debatten werden Menschen pauschal verurteilt und diffamiert. Diese Debatten finden teilweise leider auch im Parlament statt.
Wir wünschen uns – und wir arbeiten seit 35 Jahren dafür – dass Menschen nicht in soziale Ausgrenzung und Armut getrieben werden, weil Gesetze ihnen das Mindestmaß an Absicherung verwehren.
Wir wünschen uns, dass allen Menschen mit Respekt begegnet wird, unabhängig davon, welche Kopfbedeckung sie tragen.
Wir wünschen uns, dass allen Menschen Achtung entgegengebracht wird, unabhängig davon welcher Religion sie sich zugehörig fühlen.
Das sind für uns hohe Werte, die es im Zusammenhang mit Menschen mit Migrationsbiografien einzuhalten gilt und die unerlässlichen Bestandteile einer Demokratie sind.
Abschließend möchte ich noch einmal unserer Freude Ausdruck geben, gerade im Jahr 2018, in diesem mehrfachen Gedenk- und Jubiläumsjahr mit dem Demokratiepreis ausgezeichnet worden zu sein:
Wir feiern das 100. Jahr der Einführung des allgemeinen Wahlrechts für Frauen in Österreich ‒ ein ganz wichtiger Schritt in Richtung Frauenrechte ‒ Rechte aller Frauen ‒, die im Mittelpunkt unserer Tätigkeit stehen.
Heuer ist das 70. Jubiläum der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen ‒ wir glauben durch unsere Arbeit einen Beitrag für die Umsetzung und Wahrung dieser großen Errungenschaft zu leisten.
Und nicht zuletzt ist für uns auch das Gedenken an den sogenannten Anschluss an das nationalsozialistische Deutschland 1938 von großer Relevanz – und zwar im Zusammenhang mit den Aufklärungsmaßnahmen gegen die Diskriminierung von Minderheiten, insbesondere MigrantInnen.

Vielen herzlichen Dank für den Preis!