Leserbrief betreffend Falter 48/15 "Was sollen wir mit den Einwanderern machen?" von F. Klenk

Florian Klenk kommentiert im Leitartikel Falter 48/15 den "grundvernünftigen" (Klenk) 50-Punkte Plan von Integrationsminister Kurz und lobt die Maßnahme, Sozialhilfebezug an die Absolvierung von Sprachkursen zu binden. Klenk fragt sich anschließend, wieso "Fremde [sic!] Sozialleistungen empfangen" sollen, "wenn sie nicht einmal Deutsch lernen wollen?"

Schon lange ist es in Österreich gängige, rechtskonforme Praxis, jenen arbeitslosen und mindestsicherungsbeziehenden Menschen, die vom AMS verordnete Kursmaßnahmen nicht in Anspruch nehmen, die Bezüge zu kürzen. Diese Sanktion betrifft Herkunftsösterreicherinnen gleichermaßen wie Immigrantinnen. Die Gruppe der Zugewanderten in diesem Kontext isoliert hervorzuheben, ist sachlich unangebracht.

Mit seiner rhetorischen Frage lässt Klenk den Schluss zu, dass es zum einen eine relevante Zahl von Deutschkurs-Verweigerern gäbe, und leistet zum anderen dem Generalverdacht Vorschub, dass "Fremde" oftmals kein Interesse daran hätten, Deutschkenntnisse zu erwerben oder zu verbessern.

Aus unserer 30jährigen Erfahrung in Beratung und Bildung für Immigrantinnen bzw. Geflüchtete können wir nur vom Gegenteil berichten. Wir erleben ein durchgängig sehr hohes Interesse an Bildungsangeboten. Vor allem, was unsere Deutschkurse betrifft: Die Nachfrage nach Deutschkursplätzen übersteigt das tatsächliche Angebot um ein Vielfaches. Regelmäßig müssen wir interessierten Frauen absagen, Dutzende warten – oftmals mehrere Semester – auf den begehrten kostengünstigen bzw. kostenlosen Kursplatz. Die Diagnose "Nichtwollen" lässt sich aus unserer täglichen Praxis in keiner Weise nachvollziehen! Das Problem ist aus unserer Sicht nicht ein Zuviel an Geld, das "fremde" BMS-BezieherInnen erhalten, sondern vielmehr das Zuwenig an Geld für leistbare bzw. kostenlose, professionelle Deutschkurse.

Aber nicht nur über den Inhalt von Klenks Forderungen, auch über die teils polemische, unterstellende Wortwahl des Artikels müssen wir uns sehr wundern. "Fremde", die unser Sozialsystem unterwandern, und "afghanische Einwanderer, deren Bildung […] im Besuch von 2 Jahren Al-Qaida-Koranschule bestand" – das sind Töne, die wir mit dem sonst sachlich-kritischen Falter-Journalismus zum Thema Flucht und Migration bislang nicht in Verbindung gebracht hätten.